Hotel Post – das bayerische Geschichtshaus

Nasenschild Hotel Post 2

Das bayerische Geschichtshaus

Der Hofkaminkehrermeister Cura und das Wirtshausschild

Das spektakulärste Ereignis, das sich im Hotel Post jemals abspielte, fand sicherlich am 16. Oktober 1742 statt. Es war in der Zeit des Österreichischen Erbfolgekriegs, als der bayrische Kurfürst Karl Albrecht die Kaiserwürde Maria Theresias nicht anerkannte, sondern selbst Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation werden wollte. Gegen das mächtige Österreich, das sich damals anschickte, ein Vielvölkerstaat zu werden, stand allerdings das Kurfürstentum Bayern von vornherein auf verlorenem Posten. Bayern wurde von den Österreichern besetzt. Kampflos fielen Schloß und Stadt Burghausen in die Hände österreichischer, besser gesagt, ungarischer Truppen.

Das war die Stunde des 26jährigen Burghauser Hofkaminkehrermeisters Franz Karl Cura. Seine Vorfahren waren aus Piemont nach Deutschland eingewandert. Mit Hilfe einer Abteilung von vierzig berittenen Grenadieren eroberte er im Handstreich das Öttinger Tor, machte die Besatzung nieder und drang von der Burg aus in die Stadt ein.

Das Hotel Post war mit Besatzungstruppen belegt. Es handelte sich um Panduren (aus Südungarn), Sauströmer (Gegend um den Fluß Save im ehemaligen Jugoslawien) und Likaner (aus der Grafschaft Lika in Kroatien). Schon wegen ihrer Sprache waren sie verhaßt. Wie uns Cura in seinem „Pro Memoria“ selbst geschildert hat, zogen sich die angegriffenen österreichischen Soldaten in die oberen Zimmer ihres Quartierhauses zurück und feuerten aus den Fenstern auf den Stadtplatz hinunter. 80 Mann sollen es gewesen sein. Zwei Stunden hielten sie auf diese Weise durch und nahmen die angebotene Kapitulation nicht an. Cura zertrümmerte schließlich mit „Schlöglhacken“ die Haustüre, um das Haus im Sturm zu nehmen. Gewehrsalven die Treppe herab verhinderten dies. Schließlich besorgte Cura aus einem Stall einige Garben Stroh, warf sie auf die Treppe und zündete sie an. Durch den Rauch und das Feuer mußten sich die Verteidiger in die Zimmer zurückziehen, wo sie sich einschlossen. Ein Zimmermann, der die Türe aufsprengte, wurde von fünf Schüssen tödlich getroffen. Darauf stürzten die Grenadiere gemeinsam ins Zimmer und es kam zu einem furchtbaren Gemetzel. Cura schreibt: „Dem einen wurde der Kopf gespalten, dem andern der Körper von der Schulter bis zum Herzen durchgehauen, dem dritten der Arm abgeschlagen, der vierte wurde erstochen, der fünfte mit dem Karabiner erschlagen, und so fort, bis sich im ganzen Haus kein Glied mehr rührte.“

 

Franz Karl Cura –  Chimney Wheeper of the duke

The most spectacular ever happend in the Hotel Post was on October 16th in 1742 during the Austrian War. Castle an town Burghausen was conquered by Hungarian troups. With help of fourty grenadiers the chimney wheeper of the duke, Franz Karl Cura conquered the Öttinger Tor at the entrance of the castle and went foreward to the town. The Hungarian soldiers escaped into the Hotel Post. From the upper foors they took the market-place under fire. They did not accept the opportunity of capitulation. After two hours Franz Karl Cura broke up the door and set some straw at fire. A terrible massacre happened. Cura and his men won and so the town was free.

The sign of guild on the front of the Hotel Post shows a representation of the fight.

 

 

Die rätselhafte Marmorsäule im ersten Stock

Als im Jahre 1945 eine verirrte Fliegerbombe ins Hotel Post einschlug, wurde im ersten Obergeschoß diese Rotmarmorsäule freigelegt, die vorher im Mauerwerk verborgen war. Das einfache Kapitell, das stellt eine wichtige Geschichtsquelle dar. Die Formen der Buchstaben und Ziffern zeigen, daß es sich um eine originale Arbeit aus den Ende des 16. Jahrhunderts handelt. Vom Schrifttyp her kann man die Inschrift in die Übergangszeit von der gotischen Schrift zur Fraktur einordnen. Es handelt sich um eine der ganz wenigen Bauinschriften, die es in Burghausen gibt. Während in manchen Orten Deutschlands fast jedes Haus eine oder mehrere Baudatierungen vorweisen kann, sind derlei Bauzahlen, wie das Burghauser Inschriftenbuch zeigt, leider hier sehr selten. Die Initialen rechts und links des Wappenschildes stehen für Jörg Niedermaier, den ersten „Postwirt“.

 

The obscure column in the first floor

When 1945 a bomb damaged the Hotel Post, a column was found in the first floor, which was hidden between walls. The simple head of the column is an important source of history. The character of writing is gothic, it is an original work made in the 16th century. The letters next the coat of arms stand for the intitials of Jörg Niedermeier, the first host of the Post.

Erinnerungen und Erkenntnisse aus Baualtersgutachten

Typisch für die Bauweise der Altstadthäuser sind die Lichthöfe. Die Altstadthäuser sind tief und haben gemeinsame Mauern, teilweise sind sie ineinander verschachtelt, da greifen einzelne Räume in das Nachbarhaus hinüber. So ist beispielsweise der Weinkeller der Post ins Nachbarhaus integriert. Die altstadttypischen Lichthöfe garantieren für optimale Belüftung und gute Belichtung der innenliegenden Räume. 2019-2020 werden die Post und das benachbarte Enzelmüllerhaus miteinander verbunden. Wieder einmal könnte man sagen, verschiedene Zimmer waren der Post in früheren Jahrhunderten bereits zugeschlagen. Das Enzelmüllerhaus war ursprünglich das Stadthaus des Raitenhaslacher Klosters. Im I. Obergeschoss zeugt davon eine prunkvolle Stuckdecke und der Alkoven des Abtes. Im Erdgeschoss befand sich die Eingangshalle. Als das Kloster Raitenhaslach großartig und prächtig ausgebaut wurde, verkauften die Zisterzienser ihr Stadthaus. Zum Einen, weil sie das Geld brauchten, zum Anderen, weil man die Besucher künftig im Steinernen Saal des Klosters empfangen wollte. Vom neuen Eigentümer wurden „Mieter aufgenommen“ und die Gewölbehalle in Hausgang und schmalen Laden geteilt. Unter der Stuckdecke verpassten die Friseurmeister der Familie Enzelmüller drei Generationen lang die besten Haarschnitte, bis sie ihr Geschäft in die Neustadt verlagerten. Bis 2018 betrieb Familie Bründl einen Raumausstattungs- und Polsterladen.

Typical Courts

Typical for the style of old-town-building are small courts in and between the houses. Because the houses in the old town are buildt near by near, often with common walls (compare common wealth), the courts garantee fresh air and daylight all rooms in the house.

 

Der Keller unterm Stadtplatz

Das Hotel Post weist natürlich, wie auch die anderen Häuser am Stadtplatz, einen Keller auf. So ganz selbstverständlich ist allerdings das Vorhandensein von Kellern im stets überschwemmungsgefährdeten Burghausen nicht. Wenn man bedenkt, daß in früheren Jahrhunderten fast alle zehn Jahre die Grüben teilweise unter Wasser standen, so wird es verständlich, daß dort die Nutzung eines Kellers nur sehr bedingt möglich war.

Das Hotel Post und die benachbarte Altstadtapotheke, können mit einer Absonderlichkeit aufwarten. Die Keller dieser beiden Häuser reichen über die Hausfront hinaus einige Meter unter den Bürgersteig und sogar in den Stadtplatz hinein. Herr Alois Buchleitner, der Stadtheimatpfleger, hat in seinem Burghauser Führer eine einleuchtende Erklärung dafür bereit. Er vermutet, daß nach dem großen Stadtbrand von 1504 die Front einiger Gebäude zurückgesetzt wurde, um einen gleichmäßigeren Häuserabschluß zu erreichen.

 

Friedrich Tremp, der zweite mit Namen bekannte Eigentümer der Post, benötigte Geld, zum Auf- oder Umbau seines Hauses, das er kurz vorher von Michael Janko durch Tausch erworben hatte. Er nahm dazu eine Hypothek auf, damals sagte man ein Ewiggeld, in Höhe von wahrscheinlich 40 Pfund. Dafür hatte er jährlich 2 Pfund an Zinsen, nämlich 5 %, zu bezahlen. Als Pfandobjekt wird in der Urkunde das Haus genannt, das er von Michael Janko eingetauscht hatte, „am Platz bergshalben gelegen“ und dazu die „Hofstatt, darauf die Behausung, genannt der Täber, gestanden und im Bairischen Krieg verkommen ist, in welcher vormals die Kaplän zu dem Schloß Burckhausen eine Zeitlang gewohnt haben, nieden (= unten) an die genannte Behausung stoßend“. Dieses zweite Haus, in dem also im 15. Jahrhundert die Burgkapläne ihre Wohnung hatten, reichte offenbar in den Stadtplatz hinein. Es wurde im Landshuter Erbfolgekrieg (= der Bairische Krieg) zerstört und nicht mehr in der alten Form aufgebaut. Der unterirdischeTeil, nämlich der Keller, blieb aber bestehen und wurde in den Neubau  mit einbezogen. Die Hypothek von 40 Pfund gewährte übrigens damals der bayrische Herzog Wilhelm IV.

 

Auf eine weitere Urkunde vom 28. August 1614 sei noch hingewiesen. Damals stellte Hans Promberger, der mit der Witwe Niedermair verheiratet war, als Hauseigentümer den Antrag, die Tür zu dem „vor seinem Haus“ liegenden Keller zu verändern. In der Urkunde steht, man habe die Tür bisher „aufheben“ müssen. Sie bildete also offenbar einen waagrechten Abschluß mit dem Boden am Stadtplatz. Er beantragt, das Gemäuer „um 6 Werkschuh höher zu fahren“, also aufzumauern, damit ein bequemer Zugang zu seinem Keller möglich sei. Er bietet der Stadt an, für die Genehmigung zu dieser Baumaßnahme jährlich einen Schilling in die Stadtkasse zu zahlen. Diese Urkunde wurde allerdings nicht vervollständigt, es fehlen sowohl die Zeugen als auch das Siegel. Daraus kann man entnehmen, daß der Stadtrat die Baumaßnahme nicht genehmigt hat. Daß Eingänge vom Stadtplatz aus in die einzelnen Keller geführt haben, zeigen die Darstellungen im Sanndtnermodell. Die Genauigkeit Sanndtners und die Angaben der erwähnten Urkunde wurde beim Bau der Stadtplatztiefgarage eindrucksvoll bestätigt. Damals wurde geplant, von der Tiefgarage aus einen direkten Zugang zum Hotel Post herzustellen.

 

 

 

The cellar under the market-place

 

Although there were inundations by the river Salzach nearly all ten years, the Hotel Post has a cellar. This cellar lies under the beergarden on the market-place. After the town burned down in 1504, the front of the house was set back some meters to get it in a line with the other houses round the market-place.

 

When the public deep garage under the market-place was built in 1978, Hans Mitterer senior used the possibility to build a connection between the cellar of the Post and the public deep garage.

 

 

Eine Wirtin macht ihr Testament

 

Vom Jahr 1635, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, hat sich das Testament einer Wirtin vom Hotel Post erhalten. Der Text wurde ins Briefprotokollbuch des Stadtrichters eingetragen, wo man ihn heute noch nachlesen kann. In Gegenwart von sieben Zeugen hat Elisabeth Niedermair ihren Letzten Willen durch den Stadtgerichtsschreiber zu Papier bringen lassen. Einleitend betont sie, daß sie zwar „schwachen Leibs“, aber noch „bei guter Vernunft und Verstand“ sei. In elf Paragraphen sind ihre Anordnungen festgehalten.

 

  1. Ihr toter Körper soll christ-katholischem Glauben entsprechend im Friedhof von St. Jakob bestattet werden. Sie vermacht dafür der Jakobskirche 3 Gulden.
  2. Für die Armen im Leprosenhaus Heiligenkreuz und im Bruderhaus bestimmt sie je 2 Gulden.
  3. Für ihr Seelenheil und das Heil aller christgläubigen Seelen sollen 24 heilige Messen gelesen werden. Dafür werden 8 Reichstaler fällig; 4 sollen ihrem Schatzgeld entnommen werden, 4 soll ihr Ehemann bezahlen.
  4. Als Heiratsgut hat sie 200 Gulden in die Ehe mitgebracht. Davon vermacht sie ihrem Ehemann 100 Gulden und hebt hervor, daß er ihr stets alle eheliche Liebe erwiesen und sie insbesondere während ihrer langdauernden Erkrankung liebevoll gepflegt hat.

 

 

 

  1. Die anderen 100 Gulden erhält ihr Schwager.
  2. Ihre Halskleider, d. h. ihre Garderobe, bekommen ihre Basen.
  3. Ihren Brautring samt dem „veilchenblauem Fürtuch aus doppeltem Samt“ stiftet sie der heiligen Maria in Altötting, wo es zu einem Kelchtuch verwendet werden soll. Das „grüne Fürtuch aus doppeltem Taft“ soll eine ihre Basen erhalten.
  4. Ihren weißen „Paternoster“ (= Rosenkranz) mit den blauen „Untermarken“ und dem daranhängenden „Agnus Dei“ vermacht sie der Margarethe Hubensteinerin.
  5. Das goldene Ringl mit einem Rubinsteinl bekommt Elisabeth, die Tochter des Bäckers Matthäus Mair.
  6. Ihrem „Bäsl, der Haunmillerin in Kraiburg“ vermacht sie das goldene Ringl mit fünf Rubinen.
  7. Nach dem Abzug der genannten Legate setzt sie ihren Ehemann als Universalerben ein.

 

Aus dem Testament geht hervor, daß die Ehe der Wirtin kinderlos geblieben ist. Offenbar ist sie in jungen Jahren verstorben. Die Wertgegenstände, über die sie verfügen kann, beweisen ihren materiellen Wohlstand. Der ausgeprägte Frömmigkeitscharakter ist bezeichnend für das Zeitalter der katholischen Gegenreformation.

 

Zur „Vorgeschichte“ des Hotels Post

 

Es ist erwiesen, daß die Post „mindestens“ seit 1562 ein Wirtshaus war. Aber auch die vorhergehenden Besitzer hatten schon mit Wein zu tun.

 

Der erste bekannte Hauseigentümer war, wie erwähnt, Michael Janko, der im Jahr 1514 sein Haus am Stadtplatz gegen ein Haus in den Grüben vertauschte. Zwei Jahre vorher, im Jahr 1512, wurde für ihn ein Weintransport von der Schiffslände, dem Burghauser Hafen, zu seinem Wohnhaus durchgeführt. Es handelte sich um vier Dreiling Wein, wie aus der Spitalrechnung hervorgeht. Seit 1514 war dann Friedrich Tremp Eigentümer des Hauses, seit 1531 Jörg Tremp, wohl dessen Sohn. Dieser gehörte zu den Burghauser Salzhändlern, wurde in den Stadtrat gewählt und ist als Stadtkämmerer belegt. Von ihm ist eine grausige Tat bekannt. Einer Landschreiberrechnung ist zu entnehmen, daß er den Burghauser Bürger und Salzhändler Marx Piracher in Passau „entleibt“ hat. Nach einiger Zeit gewährte ihm der Herzog „Landeshuld“; er wurde, weil er „arm ist“, zu einer Geldstrafe von nur fünf Pfund verurteilt und begnadigt. Dann durfte er sein bürgerliches Gewerbe wieder ausüben. Dessen Nachfolger Kasper Tremp erwarb gleich bei der Bürgerrechtsverleihung im Jahr 1552 für drei Pfund den „Zustand zum Weinhandel“. Da Weinhandel und Weinausschank damals in der Regel miteinander verbunden waren, darf man annehmen, daß schon vor 1562 in der Post Wein ausgeschenkt wurde. Das allerdings kann nicht eindeutig – schwarz auf weiß – aus den Urkunden bewiesen werden.

 

 

The earlier History of the „Winehouse Post“

 

Fact is, that the Post was a public-house since 1562, but also former owners sell wine. The first known owner was Michael Janko, which changed the Post in 1514 for a house in „den Grüben“. Two years earlier, about thousand liter wine was transportet for him from the habour of Burghausen (!) to the Post – too much to drink it alone. Therefore we think, that he already sold wine in the Post. Kasper Tremp, who owned the Post in 1552, bought the „Right to sell wine“ für three pounds in.

 

Meier Helmbrecht

 

In Burghausen auf der Burg wird im Abstand mehrerer Jahre das Versepos „Meier Helmbrecht“ szenisch dargestellt, in der Bühnenfassung, wie sie 1928 an den Münchner Kammerspielen einstudiert worden ist. Die Dichtung von Wernher dem Gärtner aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, hat in Burghausen Heimatrecht, weil sie Anspielungen auf das Innviertel enthält. Meier Helmbrecht ist ein Bauernsohn, der aus seinem Stand ausbrechen möchte und als Raubritter aufgehängt wird. Eine ergreifende Geschichte und zugleich ein seltener Einblick in die Lebensbedingungen von Bauern des Mittelalters.

(Quelle: Aiblinger, Simon: Vom echten bayerischen Leben, BLV, 1990)

 

 

Meier Helmbrecht

 

Werher der Gärtner (the gardener) wrote the epic poem „Meier Helmbrecht“ in the 13th century. It is the story of the farmer-son Meier Helbrecht who wanted to raise in the rank of a knight. As robbing and killing knight he brought fear over the „Innviertel“. The poem tells about his infamous actions and his death – farmers hang him by the strang. A fascinating story and one of the rare impressions of the conditions under which people had to life during „the dark ages“.

 

Plättenfahrten auf der Salzach

 

Das Gegenstück zu den Isarfloßfahrten sind die eineinhalbstündigen Plättenfahrten auf der Salzach von Tittmoning nach Burghausen. Die Salzachplätten, flache Kähne für rund 50 Personen, entsprechen den alten Transportschiffen, auf denen früher vor allem das Halleiner und Reichenhaller Salz flußabwärts transportiert worden ist. Um Sicherzustellen, daß die Plättenfahrten nicht eingestellt werden müssen, wenn der letzte patentierte Salzachschiffer das Ruder aus der Hand legt, hat die Stadt Burghausen die Salzachschiffahrt in eigene Regie übernommen. (Prospekt und Information am Empfang)

 

 

Plätten-Tour on the River Salzach

 

„Plätten“ are flat boats which were used to ship salt – the white gold – from the mines in Reichenhall and Hallein down the river. Today you can enter the „Plätten“ in Tittmoning an have a one and half hour trip through the romantic Salzach-Valley to Burghausen. (Broshure and Information at the reception.)

 

„Zeit vergeht – über die Vergänglichkeit“

 

Lückenlos bis zum Jahr 1512 lassen sich die Eigentümer der Post zurückverfolgen. Aus der Zeit vorher sind nur wenige Urkunden erhalten. Bekanntlich wurde im Jahr 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg nach dem Tod Herzog Georgs des Reichen die Stadt Burghausen ein Raub der Flammen. Seither ist die Geschichte des Hauses Hotel Post im wesentlichen rekonstruierbar.

 

Manches könnte man über das bisher Gesagte hinaus noch berichten. Im 18. Jahrhundert haben die Weinwirte Georg Ludwig Harter und Felix Loferer die Geschicke Burghausens als Bürgermeister wesentlich mitbestimmt. Im Jahr 1808 wurde Loferer von der Königlichen Akademie der Wissenschaften in München mit der Goldenen Präsenzmedaille ausgezeichnet, weil er ein von einem Bauern gefundenes „Elefantengeripp“ erworben und eingesandt hatte. Im 19. Jahrhundert war das Haus lange Zeit im Besitz der Brauersfamilie Boxleydner.

 

Beruflich gesehen waren die Hauseigentümer in erster Linie Weinwirte, aber auch Weinhändler, Salzhändler und Schiffsmeister. Nicht immer ging es wirtschaftlich nur bergauf. 1650 waren mehr als zehn Grundstücke in Burghausen im Besitz des „Postwirts“; 1740 wurde das Haus wegen allzugroßer Schuldenlast im Gantprozeß zwangsversteigert. Franz Sebastian Meidinger rechnet 1790 in seiner Beschreibung Burghausens die „Goldene Krone“ zu den vier besten Gasthäusern im Ort. 1945 fiel der größte Teil des Hauses einer amerikanischen Fliegerbombe zum Opfer.

 

Und jetzt? Jetzt ist unsere Zeit. 1959 haben Vater und Großvater die Post gekauft. Hans und Thilde Mitterer haben seither das geschaffen, was wir Ihnen heute anbieten können. Seit 1994 betreiben die Geschwister Hans Mitterer junior, Johnna Mitterer und Christine Christ mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern und Mitarbeiter das Familienunternehmen.

 

Beim Studium der Geschichte fiel uns auf, dass die Post recht häufig die Besitzer wechselte – woher mag das rühren und wie wird das weitergehen? Der Umgang mit der Geschichte relativiert den Zeitbegriff.

 

 

Wilhelm Hausenstein (1882-1957)

schreibt über Burghausen: „Ihre südliche Schönheit entzückt. In Mühldorf, in Neuötting hat das herrliche Bild dieses baulich am stärksten ausgesprochenen deutschen Südens angefangen, dieses deutschen Südens, der eine nach Norden verlegte Mittelmeerwelt zu sein scheint im enheimischen Bayern ein deutsch verwandeltes Italien. Diese „Häuserzeile“ Burghausen am Wasser hin, was ist sie denn? Eine Metamorphose der Häuserzeile am Arno in Florenz, die nicht gedrängter, nicht dichter, nicht steiler ins Wasser hinabsteht und aus ihr aufragt wie dort drüben die Häuserzeilen an der bayrischen Salzachseite? Freilich fließt die Salzach lebhafter, frischer, reiner, mit der sauberen Kraft des nordischen Bergwassers; und freilich melden die dunklen Holzbalkone drüben weniger den Süden als den Norden an. Freilich würde die überaus barocke Haube des Kirchturms drüben dem Antlitz Toskanas nicht anstehen, denn sie kann nur hier zuhause sein – in diesem südöstlichen Deutschland oder in der salzburgischen Welt. Und freilich ist die ausgedehnte Burg dort drüben über dem grünen Grashang, die Burg mit ihren weißen Putzmauern und rotbraun überziegelten Kegeltürmen, ein unbedingtes Bild des deutschen Mittelalters, freilich der Himmel darüber ist ein bayrischer Himmel…!“

 

 

Adalbert Stifter (1805-68)

schrieb an seine Frau, als er Burghausen zum erstenmal sah: „Diese Stadt sieht nicht anders aus, als wäre sie aus einem altdeutschen Gemälde herausgeschnitten und hierher gestellt worden!“

 

 

Rainer Maria Rilke (1875-1926),

der einmal in der Burg wohnte, stellte dabei fest, daß Burghausen „zu einem bedeutenden und gefühlten Gegenstand geworden ist!“

 

 

Kaiser Josef II.

(1741/1764 deutscher König, 1765 Römischer Kaiser-1790) besuchte 1780 nach dem Frieden von Teschen das ihm geschenkte Innviertel und schaute sich dabei jenseits der Salzach auf dem Breitenberg Burghausen an und mußte bedauernd feststellen: „Eine solche Burg besitze ich in all`meinen Ländern nicht!“

 

Der Essayist Josef Hofmiller (1872-1933) beschrieb die Burg: „Von der Salzachseite ist die alte Burg auflockert und kaum mehr erkennbar als das, was sie war: eine einheitliche sechsgliedrige Wehranlage. Was links ganz vorn nach Süden ragt, ist, aufeinander und ineinander gepelzt, schon für sich eine stattliche Burg mit zinnengekrönter Brustwehr und Türriegel, Bergfried, Dürnietzstock und Schatzkammer, Burgkirche, zuletzt der Fürstenbau, der wiederum eine Burg für sich ist. Aber dann dehnt sich und streckt sich ein wunderhübsches mittelalterliches Städtchen, niedrige und höhere Speicher, Vorratskammern, Wohnhäuser, Mauern und immer wieder Tore und Türme mit Bäumen davor, dazwischen, dahinter, und verläuft sich ins Grüne des Hinterlandes. Kriegerischer wirkt die Burg von der Wöhrseite aus. Hier denkt man unwillkürlich an Rothenburg. Der stattliche Eindruck wird noch verstärkt durch die Schenkelmauer, zinnengekrönt strafft sie sich vom Fürstenbau hinab zu Wöhrsee, macht ein rechtes Eck, läuft ungegliedert weiter bis zum klotzigen, runden Turm, der ebenso gut in Nürnberg stehen könnte…“

 

Herzogin Hedwig / Jadwiga von Polen,

 

geboren am 21. September 1457 in Krakau, gestorben am 18.Februar 1502 in Burghausen, wuchs wohlbehütet bis zu ihrem 18. Lebensjahr in der vornehmsten Residenz Osteuropas auf (Krakau von 1320-1611 Hauptstadt Polens und bis zur 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts Krönungsstadt Polens).

 

1474 ging Herzog Ludwig der Reiche von Baiern-Landshut (57) für seinen 20jährigen Sohn Georg auf Brautschau und wurde bei der polnischen Königstochter fündig. Fast ein Jahr lang hatten dann die Kanzleien korrespondiert, ehe am 31. Dezember 1474 zu Radom in Polen der Heiratsvertrag besiegelt wurde. 5 Tage vor ihrem 18. Geburtstag brach die Braut Hedwig dann endlich in Krakau auf, nachdem sie sich schweren Herzens von den Eltern und ihren Geschwistern trennen mußte. Der Brautzug traf dann nach knapp 2 Monaten am 14. November 1475 in Landshut ein, kein besonders günstiger Termin für eine Fürstenhochzeit dieses Ausmaßes. Ihre adelige Begleitung, Hofdamen und Hofbeamte, Beichtväter (!) und Knechte und der gesamte Troß benötigten 640 Pferde.

 

In Wittenberg wurde die Braut zuvor von einer Gesellschaft aus Niederbaiern empfangen und in ihre künftige Heimat gebracht. Hedwig wurde vor den Toren Landshut`s nicht etwa vom Bräutigam sondern vom vornehmsten Gast, von ihrem entfernt verwanten Onkel, Kaiser Friedrich III., empfangen und mit der goldenen, von acht Schimmeln gezogenen Kutsche unter den Klängen von nicht weniger als 1.100 Trompeten und Pfeifen zum noch unfertigen Münster von St. Martin geleitet. Noch am gleichen Tag wurde sie vom Salzburger Fürsterzbischof Bernhard Herzog Georg feierlich angetraut. Es folgten das Festmahl und der Brauttanz. Anschließend vollzog sich nahe dem Tanz- und Bankettsaal die recht wenig intime Handlung des Beilagers, bei der hohe Fürstlichkeiten die jungfräuliche Ehre der Braut (und damit eine unbefleckte Erbfolge) bezeugen konnten: Albrecht Achilles, Markgraf und Kurfürst von Brandenburg, dessen Gemahlin Anna, die „alte Frau von Sachsen“, die Kurfürstenwitwe Margaretht, und Herzogin Amalia von Landshut, der Braut eben gewonnene Schwiegermutter. Ob allerdings dabei die Braut nach zwei mühseligen Reisemonaten, sofortigem Trauen, anhaltendem Tanzen und offiziellem Zubettgehen die Braut wirklich so liebreich gelächelt hat, wie bei der alle 3 Jahre stattfindenden Landshuter Hochzeit, ist mehr als fraglich. Es gibt auch Augenzeugen, die Tränen in den Augen der jungen Frau aus Polen gesehen haben, keine Freudentränen!

 

Oberster Gast war Kaiser Friedrich III. mit seinem Sohn, dem späteren Kaiser Maximilian I., dann Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg, die Münchner Vettern Albrecht IV., Wolfgang und Christoph (der besonders die polnischen Herren beim Festtunier reihenweise vom Pferd warf und dadurch keineswegs zur gesteigerten Fröhlichkeit dieser Gruppe von Hochzeitsgästen beitrug, der pfalzgräfische Schwager Philipp (ab 1476 Kurfürst), alle bayrischen Bischöfe, der Markgraf von Baden, die Grafen von Württemberg, vierzig Reichsgrafen und noch Dutzende anderer Grafen, dazu etliche Tausend Mann Gefolge, wobei der Brandenburger 1.400 Leute dabei hatte, weil er dem Kaiser und dessen 700 Begleitern zeigen wollte, daß auch er ein paar Leute bei derlei Anlaß auf die Beine stellen kann.

 

Albrecht III.Achilles (1414-86) ist der Sohn des Kurfürsten und Markgrafen Friedrich I.von Brandenburg (1371-1440), der 1385 Ansbach erbte und durch seine entscheidende Unterstützung bei der Wahl König Sigismunds 1411 zum Verweser der Mark Brandenburg aufstieg. 1417 erhielt er dann die Kurwürde Brandenburgs. Albrecht Achilles` Mutter ist die „Schöne Els“, Elisabeth von Bayern-Landshut, Tochter Herzog Friedrichs, Schwester Herzog Heinrichs XVI.von Bayern-Landshut. Sie heiratete 1401 den damaligen Burggrafen Friedrich von Nürnberg und ist die Stamm-Mutter aller Kurfürsten und Könige Preußens! Albrecht III.Achilles übernahm 1440 die Regierung der ihm 1437 zugefallenen fränkischen Besitzungen (Ansbach). Er versuchte von Anfang an, seine schmale Machtbasis zu erweitern. Aber Herzog Ludwig der Reiche machte durch seinen Sieg in der Schlacht bei Giengen 1462 dessen weitgespannten Pläne gegen das Haus Wittelsbach zunichte. Doch 13 Jahre später waren alle Gegensätze zwischen Wittelsbach und Hohenzollern, zwischen alt- und jungfürstlichen Häusern, überbrückt. Auch wurde vergessen, daß noch 1459 Kaiser Friedrich III. über Herzog Ludwig den Reichen die Reichsacht verhängt hatte, was ihm dieser offenbar persönlich nicht nachtrug.

 

Auf der Fürstenhochzeit von 1475 durften die Wirte, Bäcker und Metzger nichts gegen Geld hergeben in der Stadt Landshut. Jedermann war freigehalten, ob hoch oder niedrig. In der Steckengassen waren öffentliche Küchen eingerichtet, den geladenen Gästen aber wurden die Speisen ins Quartier geschickt. Es wurden an den 8 festlichen Tagen verkonsumiert: 333 Ochsen, 1130 ungarische Schafe, 285 Schweine, 1537 Jungschweine, 684 Spanferkel, 490 Kälber, 12.000 Gänse, 40.000 Hühner, 194.000 Eier, 5 Zentner Weinbeeren, 220 Zentner Schmalz, 170 Fässer Landshuter und 700 Fässer ausländischen Weines. „Konfekt“ hat es auch gegeben, gleich für 500fl. Es waren jedoch wohlschmeckend verpackte Abführmittel, die von den Landshuter Apothekern geliefert wurden, damit die fürstliche Mägen und Gedärme durch die stundenlangen Gelage nicht in Aufnahmeschwierigkeiten gerieten. Auch wandte man dieses Konfekt gegen die Fürstenkrankeit der damaligen Zeit an, gegen Podagra, die Fußgicht, genannt auch das „Zipperlein“, unter der der Gastgeber, Ludwig der Reiche, schon sehr zu leiden hatte.

 

Zuletzt, als in der herzoglichen Kanzlei der Schlußstrich unter alle Rechnungen gezogen wurde, hatte man 60.766 rheinische Gulden und 73 Pfennige ausgegeben, was runden 25 Millionen Mark entsprechen soll!

 

Etwa die Hälfte dieser Kosten, so konnte man erwarten, würde durch die königlich polnische Mitgift abgedeckt sein. Von den versprochenen 32.000fl, die innerhalb von 5 Jahren zur Zahlung anstanden, hat aber Herzog Ludwig, noch der Bräutigam je etwas gesehen. Erst viel später, als alle Beteiligten längst tot waren, kam aus Krakau eine Abfindung von 18.000fl.

 

Entgegen der Handhabung seines Vaters oder Großvaters wartete Georg nicht die Geburt eines eventuellen Thronfolgers ab, sondern schob seine junge Frau bereits nach der Hochzeit nach Burghausen ab. Er wollte in seinem ungezügelten Leben nicht gestört werden. Schon in den ersten Ehejahren schienen sich die niederbairischen Erbschaftsverhältnisse auf`s erfreulichste zu regeln, denn zwischen 1477 und 1482 gebar Hedwig 3 Söhne und 2 Töchter. Aber innerhalb weniger Jahre hat das Haus Baiern-Landshut seine Erben dann allesamt wieder verloren; einer soll der Amme aus dem Arm gerutscht, zu Boden gefallen und sofort tot gewesen sein.

Die beiden ersten Söhne, Ruprecht, *1477 und Wolfgang, *1482 starben kurz nach ihrer Geburt. Der kränkliche Ludwig, *1476, starb vor 1496, da in diesem Jahr das Testament Georgs zugunsten der pfälzer Verwandten geändert wurde. Von den beiden Töchtern heiratete Elisabeth (1478-1504) ihren Vetter Ruprecht. Die 51 Jahre alt gewordene Margarete wurde 1480 geboren.

Nach dem Tod der Söhne Ruprecht und Wolfgang beklagte sich Herzogin Hedwig ihre entwürdigende Verbannung umso mehr, unterzeichnete aber Dokumente mit dem Titel „geborene Königen von Polen, Herzogin von Nieder- und Oberbayern“! Und auf die Frage, warum sie dem Herzog keinen Sohn mehr schenke, meinte sie tieftraurig: „Wer soll mir machen Ofen?“, ein polnisches Sprüchwort. Erschwerend kam hinzu, daß der Lebenswandel ihres sauberen Gatten auch in Burghausen nicht verborgen werden konnte. Was interessierte den Herzog auch die Erbfolge, wenn man sich jede Nacht bei einer anderen Schönheit austoben konnte. Er speiste mit seinen Landshuter Gespielinnen an der herzoglichen Tagel, fuhr mit ihnen aus und machte ihnen hübsche Geschenke. Noch 1499 klagten die Ritter seines Landes, daß er die schönsten Frauen gewaltsam zu sich auf die Trausnitz holte unter dem Vorwand, er müsse sie vor Nachstellungen anderer schützen. Und wenn er dann etwa alle 2 Jahre einmal seine Gefangene in Burghausen besuchte, hatte er es sehr eilig, wieder abzureisen und schob wichtige Geschäfte vor.

Hedwig von Polen starb ein Jahr vor ihrem Gatten und soll sogar heftig von diesem betrauert worden sein! Hedwig wurde im Kloster Raitenhaslach, Georg in Seligenthal beigesetzt. Nicht einmal im Tod wurden sie vereint!

 

Von Adalbert an Amalia Stifter

Burghausen 5ter Dezember 1861.

 

Wir fuhren von der Brüke durch einen Schlauch (Gasse kann das nicht heißen) auf den Platz, der ziemlich groß ist. Im Gastzimmer auf der Post war es wieder so seltsamlich. Es redete mich niemand an. Ich fragte, ob ich etwas zum Speisen haben könnte „Ja“, sagte ein Mädchen, und ging fort. Dann brachte sie mir ein Couvert, und ging wieder fort. Sogleich erschien eine Brodsuppe mit Ei (sehr gut). Dann brachten sie mir, ohne mich zu fragen, einen Theil eines Vogels in einer rabenschwarzen Soß, sehr gut. Ich weiß nicht, was ich gegessen habe, aber der Vogelabschnitt war gut. Um das Getränk fragte man mich. Ich verlangte Bier. Es war dunkel wie Münchner, und schmeckte trefflich wie Münchner. Dann brachte das Mädchen in einer Doppeltasse, die mitten einen Henkel hatte links rothe Rüben rechts kalten Krautsalat, dann Rindfleisch und noch ein Fleisch auf einem Sauerkraut. Ich fragte, warum ich zwei Fleisch bekomme, da sagte das Mädchen (sie heißt Thekla) das eine sei Schaffleisch. Ich aß also beide Fleische, und ergözte mich an dem Krautsalate und an dem herrlichen Bier. Nach dem Essen ging ich auf den Platz, um die Häuser anzuschauen.

Auszug aus dem Buch: „NUR DAS LEBEN lassen wir bleiben –

aus den Briefen von Adalbert Stifter“

EDITION THANHÄUSER